Geschichte

Dr. Titus Nagel gilt als ein Kenner von Geschichte und Architektur der Kitzener Kirche. Sein Wissen und seine Aufzeichnungen sind die Grundlage für diesen Abschnitt zur Historie der Kirche.

Eingemeindung vor knapp 100 Jahren

Erst mit der Eingemeindung von Hohenlohe kam Kitzen zu einer Kirche. Allerdings gehörte der alte Ort Kitzen schon immer zum Kirchengebiet. 1913 wurde das bis dahin eigenständige Hohenlohe nach Kitzen eingemeindet. Die Kirche St. Nikolai zu Hohenlohe steht auf einer Anhöhe. Von ihr aus ist der gesamte ehemalige Vogteibezirk, der sogenannte "Buddel", der zum Einzugsgebiet der Kirche gehört, zu überblicken.

Ungewöhnliches Erscheinungsbild

Wer die Kirche zum ersten Mal sieht, dem bietet sie ein eher ungewöhnliches Erscheinungsbild für eine Dorfkirche. Das hängt mit ihrer Geschichte zusammen, die nach den momentanen Erkenntnissen auf Anfang bis Mitte des 12. Jahrhunderts zurückgeht (siehe Link "Gegenwart"). Um 1100 wurde eine Kirche vermutlich von
Wiprecht von Groitzsch

als Eigenkirche (also als Kirche im Privatbesitz des Grundherren) gestiftet.

Im 13. Jahrhundert war die Kirche von Hohenlohe für etwa fünf Jahre von 1235 bis 1240 das geistliche Zentrum eines Zisterzienserinnenklosters. Das war zu einer Zeit, als die Kirche bereits ihre Eigenständigkeit verloren hatte und an das Bistum Merseburg übergegangen war.

Der trutzige Wehrturm ist der älteste Teil der Kirche. Im Bodengeschoss des Turms befand sich der Versammlungsraum der Gottesdienstgemeinde. Zugleich diente das gesamte Bauwerk als Rückzugs- und Lagerraum für die Bewohner des Priestergutes Hohenlohe bei feindlichen Angriffen und Raubzügen. Noch heute ist im jetzigen dritten Stockwerk auf der Nordseite der ehemalige Fluchteingang zu erkennen.

Aus der kurzen Klosterzeit von Hohenlohe stammen wichtige bauliche Veränderungen am Turm. Dazu zählen die Aufstockung um zwei Etagen sowie der Einbau der Nonnenempore mit einem Durchbruch zum Kirchenschiff, der heute hinter der Orgel zu finden ist. Außerdem wurde ein rundbogiger Türdurchbruch in der nördlichen Turmwand zum Kirchenschiff hin geschaffen. Im Turm befinden sich drei Glocken. Die größte von ihnen stammt aus dem Jahr 1657. Die Uhren am Turm wurden 1750 angebracht.

Architektur

Mit dem Bau der spätromanischen Steinkirche wurde wahrscheinlich um 1150 begonnen. Der Grundriss hat die Form eines gleicharmigen Kreuzes. Vermutlich wurde sie nach dem Vorbild der Pegauer Klosterkirche gebaut, die heute nicht mehr existiert. Deren Gründung geht aber ebenfalls auf Wiprecht von Groitzsch zurück. Von schlichter romanischer Schönheit sind die Sandsteinportale des Nord- und des Südeingangs. Die freistehenden Säulen tragen Kapitelle mit Muschelwerk.

Auffällig ist die Verschiedenheit der Fensterformen. Neben den ursprünglichen kleinen romanischen rundbogigen Fenstern finden sich Durchbrüche, die jeweils das typische Erscheinungsbild der Zeit des Einbaus tragen.

Nach einem Brand im Jahr 1715 wurde die Kirche 1748 renoviert und mit Emporen ausgestattet. Aus dieser Zeit stammen auch die hohen, großen Fenster. Der Einbau der Emporen hatte dazu geführt, dass es im Kircheninneren dunkler wurde. Die Emporen machten es ebenfalls erforderlich, einen Anbau vor dem nördlichen Portal zu errichten, der den Treppenaufgang beherbergen konnte. Dieses nördliche Portal mit dem Vorbau ist der heutige Haupteingang der Kirche. Die Emporen sind in der Neuzeit wieder entfernt worden. Das war etwa Ende der 1960er oder Anfang der 1970er Jahre. Der Vorbau hat allerdings das Sandsteinportal des heutigen Haupteingangs erheblich vor den Witterungseinflüssen geschützt.

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts ist an der Südseite des Chorraumes die Sakristei angebaut worden. Noch heute findet sich an ihrer Südseite gotisches Steinbildwerk mit Maßwerkverziehrung. Allerdings ist das inzwischen stark verwittert. Möglicherweise gehörte es zu den ehemaligen Chorschranken. Die Chorschranken trennten den Raum für das Priester- oder Mönchskollegium vom übrigen Kirchenraum ab.

An der Nordseite des Chorraumes befand sich seit langer Zeit die "Kitzner Kapelle". Das war die Patronatsloge der Rittergutsbesitzer von Kitzen. Der heute zu sehende Bau stammt von 1822. Das weist auch die Jahreszahl über dem Eingang aus. Ebenso ist dort das Wappen des damaligen Rittergutsbesitzers zu sehen. Die Verbindung von Kapelle und Chorraum wurde bei der Entfernung der baufälligen Emporen verschlossen.

Die Orgel

Im Gottesdienst erklingt eine pneumatische Orgel mit 16 Registern, die vom Zörbiger Orgelbauer Wilhelm Rühlmann (1842 bis 1922) errichtet wurde. Rühlmann lernte bei seinem Vater das Orgelbauhandwerk und war 1860 Geselle beim Weißenfelser
Friedrich Ladegast

(1818 bis 1905), der zu den bedeutendsten deutschen Orgelbauern gezält wird. Unter anderen stammt der Neubau der Orgel von 1853 im Merseburger Dom von Ladegast. Rühlmann baute neben anderen zum Beispiel die Orgeln in der St.-Agnus-Kirche in Köthen und der Lutherkirche in Bad Kösen.

Die ursprüngliche Orgel der Kitzener Kirche stammte aus dem Jahr 1680. Sie ist nicht mehr vorhanden. Das jetzige Instrument stammt von 1913 und wurde im September 2003 gereinigt und instandgesetzt. Derzeit wird wieder für die Reparatur der Orgel gesammelt.

Altar.

Blick zum Altar mit den
dahinter liegenden hohen Fenstern.

Orgel.

Dem Altar gegenüber befindet
sich die Rühlmann-Orgel von 1913.

Potal.

Das Sandsteinportal auf
der Südseite der Kirche.

Glocke.

Eine der drei Glocken im
Turm der Kirche.

©Birger Zentner

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